IHS

Predigt zu Christi Himmelfahrt

Markus Inama SJ

 

1. Fußball und Christi Himmelfahrt

Bei der Fernsehübertragung von größeren Fußballspielen ist es möglich, ein schönes Tor, oder eine knifflige Situation aus dem Blickwinkel verschiedener Kameras zu betrachten.

Da kann es passieren, dass ein Detail, zum Beispiel aus der Perspektive der Torkamera ganz anders ausschaut, oder dass von einer Kamera am gegenüberliegenden Rand des Spielfelds etwas zu sehen ist, was auf der Live-Kamera nicht zu sehen war. Ein weiteres Hilfsmittel, um eine besonders schöne oder heikle Szene genauer zu betrachten, ist die Zeitlupe.

Die vier Autoren der Evangelien arbeiteten mit ähnlichen Mitteln. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen oder Ausschnitte aus dem Leben Jesu. Manche reduzierten die Geschwindigkeit der Erzählung und teilten eine einzelne Szene in verschiedene Bilder. Für mich ist das auch eine Erklärung dafür, wieso sich die Berichte der Evangelisten um und nach Ostern unterscheiden.

Manche Handschriften enden mit der Negativfolie des leeren Grabes. Andere Evangelisten richten ihren Fokus auf das, was danach geschieht und sie lassen Details erkennen, die vorher nicht sichtbar waren.

Die Evangelisten erzählen aus verschiedenen Blickwinkeln, wie sich Jesu Auferweckung, der Abschied von seinen Jüngern, seine Heimkehr zum Vater und das Geschenk des Geistes abgespielt und was all das zu bedeuten hat.

Christi Himmelfahrt lädt uns ein, genau hinzuschauen, welche Spuren Jesus hinterlässt, was wir darin erkennen können.

 

2. Spiritueller Fußabdruck

Eine der abenteuerlichsten Abschnitte im Leben des Heiligen Ignatius ist die Pilgerreise ins Heilige Land. Er wollte die Orte sehen, wo Jesus gelebt hat. Ignatius hatte im Geheimen vor, sein ganzes Leben an den heiligen Stätten zu verbringen und dort zu predigen.

An dem Abend als ihm der zuständige Kirchenobere von Jerusalem jedoch befahl, das Heilige Land zu verlassen, fasste Ignatius den Entschluss noch einmal an den Ort zu gehen, an dem die Fußabdrücke Jesu zu sehen sind bevor er in den Himmel aufgefahren ist.

Ignatius wollte sich genau einprägen, wo der linke und der rechte Fußabdruck war.

Jesus hat im Leben des Ignatius einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Was hat ihn so beeindruckt?

Jesus ist nicht nur Vorbild für Menschen, die in dieser Welt etwas erreichen. Er hat auch die Schattenseiten erlebt und ist sich und seinen Werten treu geblieben.

Jesus tut etwas. Er redet nicht viel. Er vertritt keine neue Lehre, das meiste seiner Botschaft steht schon im Alten Testament.

Was neu ist: Er lädt uns ein, seine Botschaft an seinen Taten zu „messen“.

Es geht nicht um Sympathie und Antipathie. Es geht nicht um schönes Formulieren und gutes Argumentieren.

Ignatius hat das so ausgedrückt, dass wir die Liebe mehr in die Taten legen sollen, als in Worte.

Und: Dass Liebe immer ein Geben und Nehmen ist.

Ignatius hat sich nicht nur den linken und den rechten Fußabdruck Jesu eingeprägt, er hat ein Gespür für den Geist Jesu entwickelt und im Herzen bewahrt. Er war überzeugt davon, dass er auf diese Weise Gott in allen Dingen finden kann.

 

3. Was sind die Spuren, denen wir folgen?

Wenn ich mich frage, was mich auf diese Spur gebracht hat, dann denke ich mir, dass es vor allem Menschen waren, die mir in meiner Kindheit und Jugend glaubhaft vorgelebt haben, was das Füreinander da sein, was Lieben bedeutet. Ich denke an das Beispiel meiner Eltern, oder eines Jugendkaplans, aber auch an Jugendfreunde und -Freundinnen. Menschen, die mich unauffällig über mehrere Jahre begleitet haben.

Dann gab es auch Menschen, denen ich nur kurz begegnet bin, von denen ich gehört habe, die mir durch ein Wort, die Augen für etwas geöffnet haben.

Ein Mann hat bei Gesprächen mit seinem geistlichen Begleiter öfter über seine leidvollen Erfahrungen als Jugendlicher erzählt. Fehler, die er gemacht hat, Wunden, die ihm andere zugefügt haben.

Der Begleiter hat ihm meistens nur zugehört. Einmal hat er ihm eine Antwort gegeben und gesagt: „Vielleicht waren es diese Fehler, die dich zum Nachdenken gebracht, die dich davor bewahrt haben, ein oberflächlicher Mensch zu werden. Das Leid, das du erfahren hast, hat dich für das Leid anderer Menschen geöffnet.“

Der Mann ging getröstet weg.

Das, was uns ausmacht, sind einerseits unsere Talente und Begabungen. Man könnte sagen unser rechter Fußabdruck. Damit beeindrucken wir andere. Der linke Fußabdruck, unsere Schwächen und die leidvollen Erfahrungen gehören aber genauso zu uns. Beide zusammen ergeben einen Gesamteindruck.

  

Schluss:

Zum Schluss noch ein Ausspruch von P. Nicolas dem Generaloberen von uns Jesuiten:

„Religion und Mitgefühl gehören eng zusammen. Wenn wir das Mitgefühl vergessen, vergessen wir Gott, weil Gott ein Gott des Mitgefühls ist. Warum sind die Armen so wichtig? Weil sie das Mitgefühl in uns wach rufen. Sie wecken unsere Fähigkeit zu antworten, und darin wird sichtbar, wie tief wir in Wirklichkeit sind.“

Mir ist dazu ein blinder Mann, der regelmäßig an einer der befahrensten Straßen in Sofia neben einer Bushaltestelle saß, eingefallen. Er hielt den Fußgängern eine Schachtel entgegen. Immer wenn ich ihm in die Augen geschaut habe, hat er mein Mitgefühl geweckt.

Bei Begegnungen, wie mit dem blinden Mann an der Slivnitsa Straße, ist manchmal nicht klar, wer der Beschenkte ist, wer für wen da ist, wer wem die Frohe Botschaft, die wir im heutigen Evangelium gehört haben, verkündet:

„Ich bleibe bei Euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.“

Jesuitenkolleg
Sillgasse 6, 6020 Innsbruck, Austria

Telefon +43 512 53 46-0
Fax +43 512 53 46-99
E-Mail reception.kolleg.innsbruck@jesuiten.org

http://www.jesuitenkolleg-innsbruck.at/predigten/christi-himmelfahrt-2014
Abgerufen am: 29.07.2017