Predigt zu Allerheiligen 2014

P. Markus Inama SJ

1. Das Fest Allerheiligen

Wir feiern heute alle Heiligen, nicht nur die offiziell anerkannten.

Vielleicht denkt ihr an ganz konkrete Menschen, die für Euch überzeugend sind oder waren.

Heilig sein hat damit zu tun, dass Menschen auf ein Ziel hin leben, das über diese Welt hinausgeht. Das, wofür sie leben, behält auch nach ihrem Tod seine Gültigkeit. Diese Menschen waren nach irdischen Maßstäben vielleicht nicht erfolgreich. Bei manchen wird erst nach ihrem Tod deutlich, dass ihr Lebensentwurf aufgegangen ist.

2. Die Seligpreisungen als Leitbild

Im Evangelium haben wir acht Seligpreisungen gehört. Für mich sind sie so etwas wie das Leitbild Jesu. Sie umreißen, worum es Jesus geht. Es ist ein sehr dichter, anschaulicher und aussagekräftiger Text.

Für mich war dieser Text mit 22-23 Jahren sehr wichtig. Ich war auf der Suche und hatte außer ein paar Träumen keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Damals hat mich dieser Text getröstet.

Ich denke, der Text richtet sich an Menschen, die mehr Fragen als Antworten haben. Scheinbar waren auch seine Jünger, die am Beginn eines völlig neuen Weges standen, ziemlich überfordert. Die Worte Jesu waren im Besonderen auch an sie gerichtet. Jesus macht ihnen Mut. Er richtet sie auf und schenkt ihnen Zuversicht und Hoffnung.

Die Seligpreisungen stehen im Kontrast zu verbreiteten Einstellungen

Die Botschaft Jesu steht in einer gewissen Spannung zu dem, was allgemein üblich war. Das wird in der konzentrierten Form, wie es die Seligpreisungen sind, besonders deutlich. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

  • Arm sein vor Gott - Wer von uns gilt nicht gerne als geistreich und gescheit?
  • Traurig sein - Wir sind Meister im Überspielen von Demütigungen, Verwundungen und Trauer
  • Sanftmütig und Barmherzig sein - Wir entschuldigen unsere Hartherzigkeit indem wir sagen: „wenn man nicht Härte zeigt, erreicht man in dieser Welt nichts“
  • Frieden stiften - Wir gehen Konflikten gerne aus dem Weg
  • Verachtung und Verfolgung - wir lehnen uns bezüglich Einsatz für den Glauben oder die Gerechtigkeit lieber nicht zu weit aus dem Fenster

3. BERG-Predigt

Die Seligpreisungen sind Teil der sogenannten Bergpredigt.

Vor einiger Zeit habe ich an einem Planungs-Workshop teilgenommen. Das Planungstreffen hat in einem relativ kleinen Zimmer stattgefunden. Wenn wir aus dem einzigen Fenster des Raumes schauten, blickten wir auf eine Hauswand. Nicht gerade der ideale Ort um Zukunftsvisionen zu entwickeln. Das ist scheinbar auch unserem Moderator aufgefallen. Er hat die Situation gerettet, in dem er uns zu Beginn gefragt hat, an welchen Ort wir uns begeben würden, wenn wir Visionen entwickeln und etwas Neues planen möchten?

Häufig wurden Orte in der Natur genannt: Bestimmte Wanderwege, Berge, Besinnungshäuser, die an schönen Orten liegen.

Für mich ist es daher nicht verwunderlich, dass Jesus den Menschen die Grundpfeiler seines Evangeliums auf einem Berg erschließt.

An einem Ort, wo Raum ist, wo wir einen klaren Blick gewinnen können. Wo wir offen sind für das ganz andere, oder für den ganz anderen.

Ein Leitbild ist für den inneren Zusammenhalt einer Gruppe, wie auch für das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Kirche wichtig. Worauf kommt es uns an? Wenn die Grundlinien einer Gemeinschaft verinnerlicht werden, dann wirken sie auch nach außen.

Heilige sind Menschen, die dieses Leitbild Jesu auf ihre Weise, in ihrer spezifischen Zeit, mit ihren Fähigkeiten und Talenten umgesetzt haben. Bitten auch wir, dass wir unser Leben auf diese Botschaft hin ausrichten, die niemanden ausschließt.

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Abgerufen am: 29.07.2017